Wir
Wochenend
rebellen

Wir Wochenendrebellen - Buchcover
Wir Wochenendrebellen

Wir Wochenendrebellen

Foto: Sabrina Nagel, siesah.de

Jason, geboren 2005, ist Autist und seit seinem sechsten Lebensjahr mit seinem Vater unterwegs in den Fußballstadien Deutschlands und des benachbarten Auslands.

Ursprünglich sollte es nur darum gehen, dem Jungen einen Lieblings-Fußballverein zu suchen. Doch nach und nach bekommen ihre Touren eine tiefere Bedeutung. Das Buch ist ein humorvolles und lehrreiches Zeugnis einer ganz besonderen Vater-Sohn-Beziehung.

Im Blog »Der Wochenendrebell« reflektiert der Autor die gemeinsamen Abenteuer, seine Gedankengänge und beschreibt das Gefühlschaos, dass sein Sohn oftmals in ihm auslöst. Die teils aberwitzigen Lösungsansätze, die beide für ihre ungewöhnlichen Schwierigkeiten auf Reisen entwickeln nehmen den Leser mit auf die Achterbahnfahrt ihrer Beziehung.

Foto: Sabrina Nagel, siesah.de

Was ursprünglich dem Sohn als Erlebnisarchiv und Gedächtnisstütze dienen sollte, entwickelt sich schnell zu einem Lebensprojekt: Die vielen peinlichen, lustigen, lehrreichen, ernüchternden, teils erschütternden und nachdenklich machenden Erlebnisse und Erkenntnisse finden online eine ungeahnte und stets wachsende Schar von Fans.

Seinen Verein hat Jason noch nicht gefunden. Eventuell wird er sich nie entscheiden können. Aber letztendlich finden Vater und Sohn auf ihrer Reise alles, was sie nie gesucht, aber definitiv gebraucht haben.

Nun sind ihre amüsanten Abenteuer endlich auch als Buch erhältlich, und mit „Wir Wochenendrebellen“ ist es den beiden gelungen, nicht nur Fußballfans, Mamas und Papas für ihre Geschichte zu begeistern.

(Auszug aus der Pressemitteilung des Benevento-Verlags)

„Wir Wochenendrebellen“ jetzt bestellen und mit dem Online-Kauf die Neven-Subotic-Stiftung unterstützen.

Schon einmal reinlesen? Gerne!

Es gibt Regeln. Unglaublich viele Regeln, seltsame Regeln, belastende Regeln – und Regeln werden nicht gebrochen. Also so gar nicht gebrochen. Regelbruch bedeutet Eskalation. Am besten lässt sich dies veranschaulichen beim Thema Nahrungsaufnahme, auf das wir später noch detaillierter eingehen wollen.

Einzelne Bestandteile eines Mittagessens dürfen sich nicht berühren. Punkt.

Da gibt es nicht einen Millimeter Grat, auf dem es zu wandern funktionieren könnte. Ein Tropfen Soße, ein Bruchteil von einem Milliliterchen, vielleicht gerade noch so groß, dass es mit bloßem Auge sichtbar ist, reicht aus. Dieses Tröpfchen, versehentlich am Fleisch oder am Rand eines Kartoffelkloßes gelandet, genügt und man erlebt sehr schnell eine Situation, die dazu führt, dass er mich nur wenige Sekunden später mit den eingangs zitierten Beleidigungen und Attacken konfrontiert. Schließlich habe ich das Essen bestellt, angerichtet oder dem zubereitenden Koch nicht die Wichtigkeit der Trennung der Bestandteile verdeutlich. Ich bin schuld! Immer! Deswegen hasst er mich. Zumindest manchmal.

Der Tropfen Soße reicht zur völligen Eskalation und nun ist es so, dass die Heftigkeit des Ausrasters nicht mit der Schwere des Regelverstoßes proportional wächst. Ich könnte ihm einen versifften Plastikeimer mit dem Inhalt der Biotonne vorsetzen. Es macht keinen Unterschied zu dem Milliliter Soße, der an dem Kloß hängt. Beide Formen der Nahrungsaufnahme sind für ihn nicht zumutbar, und diese beiden Arten einen Regelverstoß zu begehen, begegnen sich auf Augenhöhe, wenn man nur ihre Auswirkungen betrachtet. Regelverstoß ist Regelverstoß, egal wie knapp oder wie verhältnismäßig klein der Auslöser ist.

Wenn die Situation mit unserem Sohn eskaliert, kommt es zu einer hohen Diskrepanz zwischen Ursache und seinem daraus resultierendem Verhalten. Das ist der Rahmen dieses Buches, ich habe ihn nicht geschaffen, sondern er ist so vorgegeben und irgendjemand hat sich ganz sicher etwas dabei gedacht, dass alles so ist, wie es ist. Diese Lektüre könnte derbe, drastisch, rüde, ruppig und unfair werden. Sie spiegelt eventuell ein verzweifeltes, rückgratloses Verhalten meinerseits wieder. In manchen Fällen mag man unser Handeln vielleicht als verantwortungslos, idiotisch, inkonsequent und selbstgerecht bezeichnen. Wir sind es aber gewohnt eher als schwache, unfähige und freakige Eltern wahrgenommen zu werden.

Wir entscheiden, was unseren Sohn angeht, nicht immer zwingend mit dem Kopf, sondern oft mit dem Herz, und ob das dann nur situativ oder auch langfristig richtig ist, vermag ich im Moment der Entscheidung nicht immer zu beurteilen.

Ich schreibe, was ich denke, was ich fühle und manchmal vielleicht auch was ich glaube, was unser Sohn denkt und fühlt. Das muss nicht immer richtig sein. Ich schreibe, denke und fühle da vielleicht, und das meine ich wertfrei, in anderen Maßstäben, aus einem anderen Paradigma, aus meinem ganz persönlichen Blickwinkel. Ich bin wie gesagt kein Asperger-Experte oder Autismus-Fachmann, ich bin kein Therapeut, kein Mediziner, kein Autor, kein Professor, Doktor oder Pädagoge. Ich bin Vater.

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